Therapie- und Sozialhunde
1. Geschichte
2. Wirkung / Bedeutung
3. Voraussetzung / Eigenschaften
4. Ausbildung
5. Einsatzgebiete
6. Hundebesuchsdienst
7. Erfahrungen / Gedanken
1. GESCHICHTE
In den USA begann 1980 die American Human Association ihre Pionierarbeit, veröffentlichte die erste Biographie über Pets Facilitated Therapie.
Hieraus entstand bei der Delta Society ein Pet Partners Programm. Heute erstreckt sich dieses über 45 Staaten mit mehr als 2000 Pet Partners Teams.
Delta Society?
Delta Society ist eine 1977 gegründete Stiftung. Sie ist ürsprünglich in den USA beheimatet. Ihre Mitglieder haben es sich zu ihrer Überzeugung gemacht, dass der Mensch zum Überleben den Kontakt mit der Natur und besonders den Kontakt mit der Tierwelt benötigt.
Hauptsächlich arbeiten Tierbesitzer, Naturschützer, Leute in der Gesundheitsvorsorge und - wiederherstellung, Politiker, Wissenschaftler, Tiertrainer und Psychologen für diese Idee.
Therapiehunde Schweiz
Der Verein Therapiehunde Schweiz (VTHS) hat 1992 weltweit als erste Fachorganisation eine bewährte, angepasste, reglementierte Ausbildung für geeignete Hunde und ihre Besitzer angeboten. Zum großen Teil werden in anderen Vereinen immer noch nur die Menschenpartner geschult und nicht das Team Hund-Mensch. Die Testvorschriften lehnen sich teilweise an die der Delta Society an. Das Team muss zwei praktische und eine theoretische Prüfung bestehen. Die Prüfungsordnung und Testvorschriften werden laufend durch Erfahrungen und Erkenntnisse der Teams und der Wissenschaft erweitert.
Tiertherapie = Therapie mit Haustieren / Tiergestützte Therapie
Was ist tiergestütze Therapie?
Anfang der 60-iger Jahre fiel dem Kinderpsychiater Levinson, der in seiner Praxis häufig mit Kindern zu tun hatte, die in ihrem psychosozialen und interaktionalen Verhalten auffällig waren, ein interessantes Phänomen auf.
Zur Praxis gehörte auch ein Retriever, mit dem die Kinder weitaus weniger Probleme hinsichtlich der sozialen Kontaktaufnahme hatten. Ab da setzte Levinson ganz bewusst diesen Hund mit in das Behandlungskonzept ein. Seit Ende der 70-iger Jahre kann von einer weltweiten Forschung auf diesem Gebiet gesprochen werden. Ende der 80-iger, Anfang der 90-iger Jahre wurde dieses Konzept auch in Deutschland eingeführt.
2. WIRKUNG/BEDEUTUNG
| Psychisch: | Physisch: |
| - körperliche Nähe + Zärtlichkeit | - Blutdrucksenkung |
| - Gefühl geliebt zu werden, wichtig zu sein | - Erhöhung der Widerstandskraft (Immunsystem |
| - soziale Kontakte + Unterhaltung | - Schmerzverringerung |
| - Verringerung von Einsamkeit, Angst + Depression |
- Mobilisation + Aktivitätssteigerung |
| - Stressminderung und Aggressionsabbau |
- Kreislaufstabilisation (Puls etc.) |
| - Aufheiterung + Freude |
- Muskelentspannung |
| - Steigerung des Selbstwertgefühls |
- Atmung regelmäßiger |
| - Trost + Ablenkung / Abwechslung |
- Beruhigung |
| - mentale Stabilisierung |
Der Hund wirkt schon durch seine bloße Anwesenheit und dient ebenso als Vermittler für Menschen, die nicht oder nur wenig Zuwendung erfahren. Oft macht der Hund es erst möglich, dass Menschen auch Kontakt + Nähe anderer Menschen / des Hundeführers nun ohne Hemmung erfahren können. Ein Hund ist wie ein Tor, wie eine Brücke zu einer Welt der Verständigung, zu einer Welt des Miteinanders / der Gespräche.
Auch die Mitarbeiter einer Einrichtung profitieren vom Therapiehundebesuch. Häufig kontaktieren auch sie den Hund, genießen die Zuwendung desselben und erfahren ähnliche Effekte wie ihre Betreuten. Sie empfinden ebenso die Entspannung und sprechen häufig gerne mit und über den Hund.
Hunde und ihre besondere Beziehung zum Menschen ermöglichen es, dass sie als Begleiter und Unterstützer eines professionellen Therapeuten zum Einsatz kommen und / oder als Besuchshund in verschiedenen Institutionen - in ihrer ganzen Wirkungsbreite. Die Unterscheidung in Therapiehunde mit gezieltem Einsatz und solche, die "nur" Besuche machen, ist hinsichtlich des therapeutischen Effektes schwierig.
Positive Veränderungen sowohl im Verhalten als auch im psychischen + physischen Empfinden sind auf jeden Fall als therapeutischer Erfolg zu bewerten.
3. VORAUSSETZUNG/EIGENSCHAFTEN
Therapiehund zu sein bedeutet eine Menge Anforderungen an Wesen, Gesundheit, Kontaktfreudigkeit etc. erfüllen zu können. T.-Hunde müssen sehr viel Belastung aushalten können. Noch besser, wenn sie sehr selten Stress empfinden und dann diesen rasch abbauen können.
Eigenschaften eines Therapiehundes:
- generell menschenfreundlich und kontaktfreudig
- aufmerksames + zugängliches Wesen
- körperliche Zuwendung genießen, diese aktiv suchen
- grosse Duldungsfähigkeit
- hohe Schmerztoleranz
- bestens sozialisiert: Mensch + Umwelt, akustische + optische Reize
- nicht schreckhaft
- sehr geringes Aggressionspotential
- hohe Verträglichkeit / Toleranz, auch mit anderen Tieren
- sehr gute Kontrollierbarkeit durch seinen Hundeführer, besonders auch in kritischen Situationen
- tiefe und vertrauensvolle Bindung an seinen Hundeführer
Eigenschaften eines Therapiehundeführers:
- ebenso gut sozialisiert wie sein Hund: d.h. allgemeine Menschenliebe und Kontaktfreudigkeit- psychisch gut
belastbar; einfühlsames Eingehen auf andere Menschen. Kann mit Krankheit, Alter + Behinderung umgehen
- kennt seinen Hund und seine Signale
- kann seinem Hund in bedrohlichen Situationen Rückhalt und Sicherheit geben.
- bricht bei Überbeanspruchung des Hundes den Besuch / die Therapie ab
- missbraucht seinen Hund nicht als Objekt oder "Therapiegerät"
- besitzt gute Kenntnisse über Hunde und ihr Verhalten
- ist bereit mit und durch den Hund dazu zu lernen
Der Hundeführer im "Therapiehunde-Team" ist enorm wichtig. Seine Fähigkeiten vorausschauend Situationen zu erkennen und wenn nötig zu beherrschen und zu entschärfen, sind entscheidend für den Erfolg eines Besuches und / oder einer Therapiestunde - auch für das Wohl des Hundes. Je besser sein Wissen über das Verhalten und die Fähigkeiten seines Hundes, desto früher kann er Stressoren mindern und damit sowohl für die besuchten Menschen als auch für seinen Hund ein entspanntes Umfeld schaffen.
Oft möchten Menschen mit sozialen Berufen einen / ihren Hund mit in das therapeutische Programm einbeziehen. Ebenso häufig haben solche Menschen zwar eine hohe Kompetenz in ihrem erlernten Beruf, meist aber geringe - wenn nicht sogar keine - Kenntnisse bezüglich Hunde und ihres Verhaltens. Diese Kenntnisse sind sicherlich nicht in kurzer Zeit erfahrbar und erlernbar, hingegen unverzichtbar für ein gutes Gelingen.
Auch Leute mit viel Hundewissen (praktisch + theoretisch) sollten, falls kein sozialer/medizinischer Beruf erlernt wurde, Krankheitsbilder und Umgang mit kranken, alten und behinderten Menschen lernen bzw. erlernen. Guter Kontakt zur besuchten Institution und / oder zum besuchten Therapeuten / Sozialarbeiter etc. ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
4. AUSBILDUNG
Es gibt verschiedene Wege zum "Therapiehund".
IDEAL:
Schon frühzeitige, dosierte Auseinandersetzung und Gewöhnung eines geeigneten Welpen / Junghundes mit
seinem und an sein späteres Betätigungsumfeld und deren Menschen:
- Rollstühle, Sitzwagen, Krücken, andere Gehhilfen, Schiebetüren, Aufzüge- verstellbare Betten, Essenswagen,
klappernde Bettpfannen etc.- Akzeptanz ungewöhnlicher Bewegungen, bedrohlicher Körpersprache, Distanzlosig-
keit
- evtl. Kontaktaufnahme zum Trainer, der selbst einen Therapiehund hat oder zu einem erfahrenen
Therapiehundeführer zwecks Anleitung + Erfahrungsaustausch mit begleitender Betreuung.
- Ausbildung zum Therapiehundeteam bei verschiedenen Vereinen. Meist relativ kurze Ausbildung mit bereits sehr
guten mind. 2 Jahre alten Vierbeinern
- guten Grundgehorsam einüben: "Sitz", "Platz", "Steh", "Bleib", Herankommen, sofortiges Hergeben,
Leinenführigkeit, Hör- und Sichtzeichen.
- Einüben von Tricks
- bestimmte Rituale mit besuchten Menschen fördern
und immer wieder:
Menschen verschiedenen Alters, Grösse, Kleidung, Gehandikapte mit unterschiedlichen Behinderungen. Kontakte, Kontakte, Kontakte!
ganz wichtig:
Duldungsübungen, die die Berührungs- und Schmerztoleranz fördern. Diese werden sehr sorgfältig unter Berücksichtigung der individuellen Möglichkeiten in kleinen Schritten durchgeführt und gesteigert. Selbstverständlich lernt der Hund bei diesem Vorgehen durch positive Verknüpfung.
Immer häufiger trifft man auf Ausbildungen zum Therapiehund, in denen sehr viel Wert auf Gehorsam und eingeübte Abläufe ( das ist grundsätzlich nicht der falsche Weg ) gelegt wird. Z.Bsp. wird die Kontaktaufnahme konditioniert, indem man den Hund auf Befehl seinen Kopf auf den Schoß eines Besuchten legen lässt; Oder er soll ihn auf Befehl anstubsen. Auch hier liegt die große Gefahr im Automatisieren und es bleibt nicht mehr viel Raum für eine vom Hund ausgehende individuelle Kontaktaufnahme. Manchmal drängt sich der Eindruck auf, dass das Empfinden des Hundes dabei nachrangig ist. Der Hund wird wie ein Gerät auf Knopfdruck eingesetzt. Es kommt natürlich auch hier darauf an, wie es eingeübt und vor allem in welchem Fall der Befehl benutzt wird. Und ob es auch dann geschieht, wenn der Hund schon überbeansprucht ist.
5. EINSATZGEBIETE
- Senioren- und Pflegeheime (+ Demenzstationen)
- Behinderteneinrichtungen
- Kinderheime, Kindergärten, Kindertagesstätten
- Schulen, Sonderschulen
- Familien, einzelne Personen
- Wachkomapatienten
- psychiatrische / psychotherapeutische Praxen
- ergotherapeutische / physiotherapeutische / logopädische Praxis
- Institutionen im Dienste der Rehabilitation und der Resozialisierung
- Krankenhäuser und Hospizeinrichtungen
Für alle Einrichtungen etc. gilt: Nur stundenweiser Einsatz des Hundes und auch nicht jeden Tag, mit genügend Ausgleichszeit. "Hauptberuf" des Hundes sollte das Leben mit seinem Menschen / seiner Familie sein! Die Signale des Hundes sollten beachtet und berücksichtigt werden!
6. HUNDEBESUCHSDIENST
1995
Der Bernersennenhundrüde "Zenas vom Käpflesberg" erweitert mit Bruder Zabo das bestehende Mensch-Hund-Rudel. Es folgt eine frühzeitige und ausgiebige Sozialisierung; Besuche eines Behindertenheimes; Kindergartenbesuche.
2000
9-monatige theoretische und praktische Ausbildung zum Therapiehundeteam mit Abschlussprüfung. Erarbeitung theoretischer und praktischer Ausbildungsinhalte. Beitritt zum MUT-Verein (Mensch und Tier, Verein der tiergestützten Therapie)
Weiterer Einsatz in integrativem Kindergarten; in einem städtischen Kindergarten mit vielen Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen; Altenheime; Behindertenstätten. Es erfolgt die Ausbildung der beiden Slovensky Cuvac Grizzly und Faron.
2003
Slovensky Cuvac - Hündin "Amy von der Stockacher Halde" steht in Ausbildung. Sie besucht von klein auf einen Behindertenkindergarten. Slovensky Cuvac - Rüde "Andor von der Stockacher Halde" erfreut mit seinem lebhaften und fröhlichen Gemüt die Senioren. Bernersennenhundrüde "Zobel vom Körschtal" erweitert das Therapiehundeteam.
Aufbau eines Hundebesuchsdienst im RAH (Reutlinger Altenheime) Ringelbach + Voller Brunnen. Zur Zeit sind 3 geprüfte Teams im Einsatz.
Regelmäßige Teilnahme am Besuchsprogramm in einem integrativen Kindergarten in Tübingen.
Monatliche Treffen zum Ideen- und Erfahrungstausch, Feedback; Betreuung Und Hilfestellung bei evtl. Schwierigkeiten.
2005
"Cara von der Stockacher Halde" steht in Ausbildung. Sie ist eine lebhafte, neugierige und selbstbewusste Hündin, die schon früh viele gute Anlagen zeigt. Bereits als Welpe behutsam an ihre spätere "Klientel" gewöhnt, geht sie regelmäßig in die RAH - Altenheime und in den Kindergarten.
Die jeweiligen Teams müssen einen mehrstündigen Eignungstest ablegen und werden die ersten Besuchsstunden von mir begleitet. Die Hunde sind in der Regel mindestens 2 Jahre alt; in Ausnahmefällen, bei bester Eignung + Reife und bei frühzeitiger Vorbereitung + Sozialisierung für den späteren Aufgabenbereich ist ein Einsatz auch schon vor dem vollendeten 2 Lebensjahr möglich.
Wir freuen uns über weitere geeignete Teams, die gerne an unserem Hundebesuchsprogramm teilnehmen möchten. Voraussetzungen siehe Punkt 3.
Manches ist Grundvoraussetzung, anderes wie bestimmte Gehorsamsleistungen und verschiedene Geräte lassen sich auch später noch einüben. Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, spezielle Vorbereitungs- und Sozialisierungsstunden im Hinblick auf die Therapiehundearbeit zu absolvieren.
Interessiert? Rufen Sie mich an und informieren Sie sich unverbindlich.
Irene Kammerl "Training für Hund und Halter" Georgstr. 9 72827 Wannweil
Tel.: 07121-505387 Fax: 07121-505385 E-Mail: i.kammerl@slovensky-cuvac.com
7. ERFAHRUNGEN/GEDANKEN
Meine persönliche Einstellung zu der Arbeit mit Hunden als therapeutische Begleiter beinhaltet vor allem die Rücksichtnahme auf meinen hundlichen Partner. Für mich steht in allererster Linie der Hund im Vordergrund als Maßstab für die Art und Dauer seines Einsatzes.
Unbestreitbar ist es sicher, dass nur ein ausgeglichener, nicht gestresster Hund seine Arbeit wohltuend für alle ausüben kann. Ebensowenig kann keiner, der mit seinem Hund solchermaßen arbeitet, bestreiten, dass es immer wieder Situationen und Menschen gibt, die auch einen "superguten" Therapie-/Besuchshund fordern bzw. überfordern.
Genau hier gilt es anzusetzen:
Wie viel kann/soll ich meinem Hund zumuten?
Wie verschaffe ich ihm Ausgleich?
Woran erkenne ich eine Überbeanspruchung?
Ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung dieser Gedanken ist die Freude, mit der ein Therapiehund "seine" Institution besucht. Drängt er voll Elan in die Eingangshalle, nimmt selbständig Kontakt auf, sucht er "seine" Leute + begrüßt sie "strahlend", kann man im Rückblick dazu bestimmt sagen, dass es für ihn kein unverarbeitetes Problem gab/gibt. Verlässt er zum Schluss noch munter die Einrichtung, geht beim Hinauslaufen noch zu Personen hin, war es nicht zu viel für ihn.
Möchte er hingegen schnell zum Auto zurück, ist der Besuch zu überdenken. Es gilt evtl. die Aufenthaltsdauer zu kürzen + den Hund besser zu beobachten, um den Knackpunkt zu erkennen und Hilfeleistungen frühzeitig zu geben. Bei häufigerem Auftreten von Konfliktzeichen sollte auch ein grundsätzliches Aufhören in Erwägung gezogen werden.
Viele Hundeführer erkennen leider nicht, wie viel Belastung sie ihrem Hund zumuten können und wissen bei Bedarf oft auch nicht dem Hund die nötige Sicherheit und Balance zu vermitteln. Es geht hier nicht um das inzwischen so überbeanspruchte Wort "Stress" allein, sondern vor allem um den sorgfältigen, gut durchdachten Therapiehundeeinsatz.
Der Therapiehundeführer ist für sich und besonders für das Wohlergehen seines Hundes verantwortlich.
Meiner Erfahrung nach wird häufig nur plakativ auf das Seelenleben des Hundes eingegangen ohne sich wirklich genauer damit zu befassen. Hauptsache es wird angesprochen. Und dabei bleibt es dann meist auch.
Der Hund wie auch sein Mensch können in der tiergestützten Arbeit enorm viel geben + erreichen. Die Freude und der Erfolg sind für beide im Team spürbar und vermitteln allen Beteiligten häufig glückliche Momente.
Es gibt andere. Auch mit diesen muss man umgehen können: Hunde spüren sehr wohl, ob ein Mensch schwer krank ist, überaus depressiv und / oder aggressiv ist oder bald sterben wird. Es belastet auch, solches bei regelmäßigen Besuchen zu bemerken, Veränderungen wahrzunehmen. Ebenso auf der geruchlichen Ebene haben wir keinerlei Möglichkeit nachzuvollziehen, was in unseren Hunden vor sich geht. Allein ihr Ausdrucksverhalten kann uns dies weniger oder mehr vermitteln.
Ein junger Mensch mit oder ohne Behinderung hat in der Regel mehr "Lebenskraft" und der Hund spürt den positiven Lebenswillen. Die häufige Mutlosigkeit alter Menschen in Seniorenheimen, die nachlassende Lebenskraft, körperliche Abbauprodukte haben für Hunde auf jeden Fall eine Bedeutung.
Einige Beispiele:
- Eine alte demente Dame, die noch sehr aufgeschlossen und recht kontaktfreudig war, wurde immer gerne von
meinen Hunden besucht. Nach einem 1/2 Jahr wurde sie zusehends gebrechlicher, das Gesicht wurde
"durchsichtig" und die Haut war sehr dünn und gespannt. Auch im Inneren fand eine Veränderung statt: in sich
gekehrter, abwesender, doch immer noch sehr freundlich. Unser SC-Rüde Faron war beim letzten Besuch mit bei
ihr und winselte und stupste sie häufig an. Er war sichtlich beunruhigt und lief immer wieder zu ihr hin. Beim
nächsten Besuch sass sie nicht am gewohnten Platz. Sie war in der Nacht im Anschluss an den letzten Besuch
gestorben. Keiner hatte damit gerechnet.
- Im integrativen Kindergarten gibt es ein 5-jähriges Mädchen, das in einem Spezialrollstuhl sitzt. Sie muss
herausgehoben und gestützt werden, wenn man sie auf dem Schoß haben möchte, was sie sehr genießt. Sie ist
immer guter Dinge, hat trotz der großen Bewegungsunfähigkeit eine fast leuchtende Lebensbejahung. Unsere
SC-Hündin Grizzly legt sich mit großer Freude und Behutsamkeit neben sie. Das kleine Mädchen kann ihre Hand
um die Pfote von Grizzly schließen. Dieses bewusste Öffnen und Schließen ihrer Hand kann sie nur bei der Pfote
von Grizzly. Sie ist fasziniert von ihrer Fähigkeit und lacht immer bei Grizzlys Anblick. Ein besonderer Höhepunkt
ist das Liegen auf unserem SC-Rüden Faron, der dies geduldig zulässt.
- Eine knapp über 60 Jahre alte Frau - nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt, die andere Seite teilweise
eingeschränkt - liegt seit ein paar Jahren im Bett alleine in einem Zimmer der Demenzstation. Sie hatte jahrelang
ihre Mutter auf derselben Station besucht bis diese starb. Nur einige Jahre später befindet sie sich nun auch dort.
Vergeblich versuchten ehrenamtliche Mitarbeiter Kontakt zu ihr aufzunehmen. Ein letzter Versuch startete
vergangenes Jahr mit meinen Hunden. Sie fühlte schmerzlich ihre Hilflosigkeit, war voller Angst und Trauer. "
Schwierig " sei sie, hieß es über sie. Der erste Kontakt fand mit der Leiterin des Sozialdienstes statt. Die ältere
Dame sah den Hund und sprach mit ihm. Sie wollte Kontakt zum Hund. Die Leiterin war glücklich endlich etwas für
sie gefunden zu haben. Ich besuche sie nun fast wöchentlich. Sie füttert und streichelt ihren "Freund Hund".
Mittlerweile bin ich als Mensch mindestens genauso wichtig bei diesem Besuch und sie spricht viel, oft mit großer
Traurigkeit. Über den Hund erfährt sie Zuwendung und die Möglichkeit der menschlichen Berührung.
- Ein Kind geht freundlich auf unseren Zobel zu und nimmt plötzlich einen Bauklotz und haut ihn auf den Kopf des
Bernersennenhundes. Dieser nimmt vorsichtig den Bauklotz aus der Hand des Jungen und stößt ihn ganz leicht
damit an. Er ist nicht einmal zurückgezuckt.
- "Man geht durch den Flur und hat das Gefühl, dass der Hund wie eine frische Brise alles Traurige wegweht."
(Aussage einer Bewohnerin des RAH Ringelbach, die in der Jugendzeit an der Ostsee lebte.)
- "Es ist für mich Kontakt nach draußen, wir hier drinnen nehmen daran ja nicht mehr aktiv teil; Man hat wieder das
Gefühl dazuzugehören." (Älterer Herr, Bewohner im RAH Reutlingen)
Diese Beispiele zeigen die besonderen Fähigkeiten eines Therapiehundes. Vieles ist durch sorgfältige Sozialisierung erlernbar, einiges ist ureigenster Charakter des Hundes. Und manchmal, nicht einmal so selten wird man von den bewundernswerten Leistungen seines Hundes überwältigt.
Der Therapiehundeführer ist in der Pflicht, seinem Hund einen Ausgleich zu schaffen. Spaziergänge und evtl. ruhiges Spielen nach der Besuchsstunde sollten eingeplant werden. Körperliche und geistige Beschäftigung, eine enge Bindung zu seiner sicheren Bezugsperson und ein fester Platz in der Familie sind die wichtigsten Voraussetzungen für den richtigen Umgang mit seinem therapeutischen Begleiter.
Austausch, Fortbildung und regelmäßige Treffen sorgen für Qualität und Reflexion.